Trauma

Trauma

 

Trauma (griech.) wird übersetzt mit „Wunde“, „Verletzung“.

Ein Trauma ist eine Situation, die so hohe Anforderungen, verbunden mit großer Ohnmacht und extremer Angst, an den Körper stellt, dass dieser nicht mehr adäquat reagieren kann. Durch die außergewöhnlichen Anforderungen greifen die normalen Anpassungs- und Bewältigungsstrategien des Menschen nicht mehr. Grob unterscheidet man in Schocktrauma und Entwicklungstrauma. 

Ein Schocktrauma ist eher einzeln abgegrenzt und kann in einem Augenblick entstehen und besteht nicht über einen längeren Zeitraum.

Bei der Begrifflichkeit „Trauma“ denkt man direkt an drohenden Tod, Naturkatastrophe, Übergriffe, Krieg, Missbrauch, Tod eines nahestehenden Menschen, dramatische Diagnosen oder schwere Unfälle. Ja, das sind alles tragische Auslöser für Traumata. ABER: Selbst wenn die medizinischen Klassifikationssysteme (ICD-10 und DSM-IV) sehr scharfkantig umrissen sind, kann Trauma für jeden Menschen etwas anderes bedeuten. Es kann die Trennung von einem Freund oder einer Freundin sein, der Arbeitsplatzverlust, eine Scheidung oder „nur“ ein Zahnarztbesuch.

Dr. Peter Levine, einer der Pioniere der neuzeitlicheren Traumatherapie, hat herausgefunden, dass man durch die Reaktionen des Betroffenen bzw. durch ein nicht-reagieren- können in einer Situation erklären kann, aber niemals anhand der Situation.

Treffend nach Dr. Peter Levine: zu viel, zu schnell, zu plötzlich

Ereignis Zahnarztbesuch: Ein Klient bekommt z. B. das erste Mal einen Zahn gezogen.

Der behandelnde Arzt spricht wenig und dazu noch wenig erklärend mit seinem Patienten. Die Schwester bereitet die Instrumente vor, u. a. Zange und Spritze. Der Patient fühlt sich unaufgeklärt und bekommt Angst, wird unruhig, bewegt sich während der Behandlung, was für den Arzt vielleicht ungünstig ist. Dadurch wird der Patient vom Praxispersonal festgehalten.

Der Patient kann in eine vorübergehende, völlige Ohnmachtssituation geraten und fühlt sich unter Umständen auch bedroht. Die Sicht des Praxispersonals ist natürlich eine komplett andere. Sie haben ständig mit „solchen Patienten“ zu tun…

Es ist durchaus denkbar, dass sich dieses Ereignis beim Klienten, in der dafür relevanten Gehirnstruktur eingeprägt hat und ihn mit diversen Symptomen begleitet. 

Nicht jedes potenziell traumatische Ereignis ist ein Trauma und zieht zwangsläufig eine Traumafolgestörung nach sich. Eine Traumafolgestörung ist eine physiologische Erkrankung, bei der die Stressregulation nicht gut funktioniert.

Eine Belastungssituation ist erst dann traumatisch, wenn sie unsere persönlichen Kompensationsmechanismen übersteigt und unser individuelles Stressmanagement überfordert. Sie kann dann nicht verarbeitet werden und bleibt sozusagen „im Körper stecken“.

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Von Entwicklungstraumata spricht man, wenn sich Menschen über einen längeren Zeitraum in stark belastenden Lebenssituationen befanden, z. B. Missbrauch – seelisch oder körperlich, Vernachlässigung oder diverse Misshandlungen. Hieraus können sich sogenannte komplexe Traumafolgestörungen entwickeln, bis hin zu einer dissoziativen Persönlichkeit. Ein solche Art Trauma greift ganz anders in die Persönlichkeitsstruktur und -entwicklung ein. 

Traumatische Erinnerungen sind sehr schlimm für die Betroffenen. Sie verändern sich nicht wie andere Erinnerungen. Es sind statische, tiefe Spuren, Abdrücke, die sich in Gehirn und Körperzellen eingegraben haben. Diese Abdrücke unterliegen keinen Veränderungen oder Aktualisierungen. Es gibt keinen Fluss und keine neuen Strategieansätze. Deshalb ist es wichtig, dass man sich dem Trauma nähert. 

Manchmal versteckt sich hinter einer Depression eine unerkannte Traumafolgestörung.

Ganz wichtig ist hier zu erwähnen, dass der Körper „nichts falsch macht“ – es ist eine Schutzfunktion für den betreffenden Menschen. Das Gehirn ist bemüht, Erlebtes zu verarbeiten. Es ist eine natürliche Reaktion des Körpers und der Psyche auf eine zutiefst belastende Erfahrung. Es ist also eine liebevolle Absicht eines genialen Systems.

Die Sekundärtraumatisierung ist an dieser Stelle  auch zu erwähnen. Hier geht es um Menschen, die das Trauma nicht unmittelbar betrifft.  Es ist auch an die vielen Helfer aus den verschiedensten Berufsgruppen zu denken. Menschen beispielsweise, die sich Tag für Tag ihrem beruflichen Helfen widmen und in Situationen kommen, die für sie äußerst schwer zu ertragen sind. Manchmal können auf Grund diverser Gegebenheiten wie z. B. Arbeitszeiten, zu kurze Ruhephasen, keine richtige oder mangelnde Aufarbeitung, nicht genügend emotionale Abgrenzungsmöglichkeit usw. keine Kompensation stattfinden.

Auch zu erwähnen sind Ehe- und Lebenspartner bzw. Familienangehörige. Sie tragen geduldig die Last mit ihren Lieben. Auch hier ist manchmal Unterstützung wichtig und notwendig. 

Symptome

 

Fühlen Sie sich häufiger schnell überfordert, erschöpft, fällt Ihnen das Priorisieren schwer, kreisen Ihre Gedanken – ohne einen Ausweg zu finden? Stressen Sie die alltäglichen Dinge schneller als Sie es möchten? Sind Sie schnell übererregt mit Zittern und Schwitzen, Anspannung und Schreckhaftigkeit und/oder auch traurig, antriebslos, schnell verängstigt und verspüren eine nachlassende Konzentrationsfähigkeit? Haben Sie Schlafprobleme oder, Probleme, sich zu entspannen? Vermeiden Sie Aktivitäten, die persönlich unschöne Erinnerungen hervorrufen?
Die Symptome könnten für einen Erschöpfungszustand oder auch für Traumafolgestörungen stehen.

Es kann aber auch durchaus ein liebevoller, deutlicher Hinweis Ihres Körpers sein, dass er eine Auszeit braucht. Hier sollten Sie nicht lange zögern und den Aufforderungen Ihres Körpers lauschen, denn Prävention ist das Beste was Sie tun können.