Schuld und Scham

Was sind Schuld und Scham?

 

Es sind komplexe, tiefe soziale Gefühle, selbstbezogene Emotionen. Im Mittelpunkt steht das Ansehen mit allen Aspekten bis zum Verlust des Ansehens auch teilweise nur der scheinbare Verlust.

Aber Schuld- und Schamempfinden sind wichtige emotionale Fertigkeiten im sozialen Miteinander. Aus soziobiologischer und ethnologischer Perspektive sind beide Emotionen zum einen biologisch archaische Zeugnisse der Entwicklung zum sozialen Homo sapiens der Gegenwart, zum anderen im Rahmen der Sozialisation erworbenes und unabdingbares Rüstzeug für die differenzierte Begegnung mit dem Mitmenschen aber auch mit sich selbst. 

 

(1)Quelle: (1) – Lammers M, Ohls I. – Mit Schuld, Scham und Methode.

Schuld

 

Hier ist der Bezug auf ein bestimmtes Verhalten gerichtet. Dieses Verhalten kann auch unterdrückt werden. Schuld ist verhandelbar und sie kann zurückgewiesen werden. Wenn man sich zur Schuld bekennen kann, kann um Verzeihung gebeten werden.

Scham

 

Es ist zwischen Beschämung und Scham zu unterscheiden. Die Beschämung erfolgt durch einen scheinbar Machtvolleren, Stärkeren, und zielt u. a. auf Merkmale, Wesen oder Charakter. Ein Zurückweisen oder Widerlegen fällt schwer. Oft werden Beschämungen auch in der Kindheit ausgelöst. Es muss gar nicht immer etwas Gravierendes sein. Beschämungen können Glaubenssätze mit sich bringen.

Die natürliche Scham ist angeboren. Sie zeigt sich – manchmal mit Erröten –  wenn ein Mensch etwas ganz Persönliches, Intimes oder für ihn Wichtiges offenbart und mit anderen teilt. Es kann auch Scham entstehen, die unausgesprochen nur im Verborgenen durch das Anschneiden eines heiklen Themas entsteht. Jeder von uns hat seinen Wesenskern, die natürliche Scham ist eine Art Grenzzaun zum Schutz seines inneren Wesens.

Die Scham weckt durchaus auch Mitgefühl beim Gegenüber, das Schamlose eher weniger.

Wer sich schämt, fürchtet den Verlust von Ansehen oder gar Ausgrenzung.

Scham hat auch positive Funktionen, und hat etwas Bewahrendes an sich.

Die Scham diente schon im Mittelalter als offizielles Mittel der Disziplinierung der Menschen. Ist das wirklich noch zeitgemäß? Anpassung und Abgleich innerhalb der sozialen Gemeinschaft ist wichtig, wir Menschen brauchen das „sich gut fühlen“ und gesehen werden. 

ABER: Meiner Ansicht nach ist es wichtig sich wahrhaftig zu zeigen und zu seiner Individualität zu stehen, egal ob es für die soziale Gemeinschaft in Ordnung ist oder nicht.